Bericht des Mindener Tageblatts vom 21. November 2008
Mit gelben Westen und Handys einsatzbereit
Schulsanitäter helfen in Verbundschule Hille bei Notfällen / Lehrerin Karen Degenhard leitet Arbeitsgemeinschaft
Hille (mt). Ein Schulsanitätsdienst wird in der Verbundschule Hille aufgebaut. Die Arbeitsgemeinschaft trifft sich immer montags.
13 Schüler und Schülerinnen des siebten Jahrgangs sitzen in dem Klassenraum und blicken auf Karen Degenhard. Die ist Lehrerin an der Verbundschule, absolvierte einen Erste-Hilfe-Lehrgang beim DRK und darf nun die zukünftigen Schulsanitäter ausbilden.
Acht dieser freiwilligen Helfer gibt es schon. Sie wurden von Eugen Deines vom DRK-Ortsverein Hille geschult und sind seit vergangenem Februar im Dienst. Vier von ihnen, nämlich Nils, Kevin, Tim und Timon, sind an diesem Nachmittag in die Arbeitsgemeinschaft gekommen, um von ihren Erfahrungen zu berichten.
Am Morgen hatten Kevin und Timon im Biologieunterricht einen Einsatz. "Eine Mitschülerin hat leise ,Hilfe´ gesagt und ist dann ohnmächtig vom Stuhl gekippt", berichtet Kevin. Sie hätten das Mädchen in die stabile Seitenlage gebracht, den Notruf 112 abgesetzt und dann den Krankenwagen eingewiesen.
Für die acht Schulsanitäter gibt es Dienstpläne: Immer zwei haben während der Unterrichtszeit Bereitschaft und tragen dann die vom Hiller DRK gespendeten, gelb leuchtenden Westen. "Zuerst haben uns Schüler verspottet, aber mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt", sagt Nils.
Außerdem sind die Schulsanitäter mit Handys ausgestattet, um immer erreichbar zu sein. Zwei Sanitätstaschen mit Pflaster, Kompressen und all dem anderen Material, das bei einem Notfall erforderlich ist und die ebenfalls vom DRK-Ortsverein kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, begleiten die Sanitäter ebenfalls.
Die toben während der großen Pausen nicht etwa mit ihren Freunden auf dem Schulhof herum, sondern schieben Dienst im Arztraum. "Das macht uns aber nichts aus", betont Timon. Nun rückt also die nächste Generation Schulsanitäter nach. "Ziel ist es, dass zwei Helfer während der Pausen auch auf dem Schulhof unterwegs sind." Für die Ausbildung hat Karen Degenhard wöchentlich zwei Schulstunden Zeit. Und die sind vollgepackt mit Informationen über die stabile Seitenlage, Verbandszeug, Hilfe bei Verletzungen, Druckverbände und Dreieckstücher als Tragehilfen.
Was also tun, wenn ein Schüler nach einem Sturz am Kopf blutet? Die Lehrerin zeigt, wie es geht, dann sind die Schüler dran. Und die haben ihren Spaß, kichern und lachen, denn es sieht auch zu komisch aus, wenn dem "Verletzten" das Dreieckstuch über den Kopf gelegt und vorn wie bei Witwe Bolte geknotet wird.
Oder es kippelt jemand mit dem Stuhl, verliert das Gleichgewicht, prallt auf den Heizkörper und wird bewusstlos. Was tun? Die Erstversorgung wird genauso geübt wie das Anlegen eines Fingerkuppenverbandes.
Die baldigen Schulsanitäter legen Druckverbände an, um eine stark blutende Wunde am Arm zu stillen, lernen, wie sie den Puls ertasten und dass sie den Arm keinesfalls zu stark abbinden dürfen, um die Blutzufuhr in die Hand nicht zu unterbrechen. "Es ist mir wichtig, helfen zu können. Das ist ein gutes Gefühl", bringt Mara die Motivation aller auf den Punkt.
Und gibt es die Angst, in der Stresssituation eines Notfalls vielleicht etwas Falsches zu tun? Nein, meint Shelley, denn vor allen Dingen gehe es darum, überhaupt zu helfen. Sie übernähmen nur die Erstversorgung, dann sei der Arzt gefragt. Für diese Fälle, ergänzt Karen Degenhard, seien die Schulsanitäter versichert.
Da die Arbeitsgemeinschaft laufend Übungsmaterial benötigt, freut sie sich über ausgediente Verbandskästen.
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